Ergebnisübersicht zur Informationsveranstaltung am 21.05.2026 in Seehausen (Altmark)
Protokoll Informationsveranstaltung Wahrenberg
Das Protokoll Informationsveranstaltung Wahrenberg als PDF zum Download
| Datum | 21.05.2026 |
|---|---|
| Uhrzeit | 17.00 bis 20:00 Uhr |
| Ort | Versammlungsraum Feuerwehr Seehausen, Otto-Nuschke-Str. 34, 39615 Hansestadt Seehausen |
| Teilnehmer | ca. 65 Gäste |
| Moderation | Andreas Paul, Büro für urbane Projekte |
| Uhrzeit | TOP |
|---|---|
| 17:00 | Grußworte Rüdiger Kloth, Bürgermeister Verbandsgemeinde Seehausen (Altmark) Dr. Steffen Eichner, Staatssekretär Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und |
| 17:15 | Einführung Dr. Ekkehard Wallbaum, MWU, Abteilungsleiter 2: Naturschutz, Wasserwirtschaft |
| 17:25 | Input 1: Hochwasserschutz in der Region Wahrenberg Martin Etzold, Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt (LHW), Sachbereichsleiter Deichrückverlegung und Polder |
| 17:55 | Input 2: Auenentwicklung & NaKliMa Sandra Richter, MWU, Referat 25 - Naturschutzförderung, Großschutzgebiete, Grünes Band |
| 18:15 | 30 Minuten Pause mit Beteiligungsangebot und Gesprächen |
| 18:45 | gemeinsame Diskussions- und Arbeitsrunde |
| 19:30 | Kurze Zusammenfassung und Schlussworte, anschl. Zeit für weitere Gespräche |
| 20:00 | Ende der Veranstaltung |
Zur Informationsveranstaltung
Nachdem es in der längeren Vergangenheit in regelmäßigen Abständen eine Informationsveranstaltung zum Sachstand der Deichrückverlegung Wahrenberg gab (die letzte fand im Mai 2019 in Groß Garz statt) luden das Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt (MWU) sowie der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt (LHW) die Einwohner/-innen und Flächeneigentümer/-innen ein, um über den aktuellen Stand zum Vorhaben zu berichten und Meinungsbilder der Gäste aufzunehmen.
Mit der geplanten Maßnahme Deichrückverlegung Wahrenberg werden zwei wesentliche Ziele verfolgt: einerseits die Verbesserung des Hochwasserschutzes und andererseits die ökologische Aufwertung der Flusslandschaft. Hierfür werden letzte verbliebene Deichabschnitte erhöht bzw. ertüchtigt und zugleich erfolgt die Rückverlegung des bestehenden Deiches entlang der Elbe unter Einbeziehung des Alanddeiches. Dadurch soll die heutige Engstelle beseitigt und die Flussbreite im Hochwasserfall vervielfacht werden.
Konkrete Planungen liegen noch nicht vor. Der Prozess wird jetzt gestartet und innerhalb der nächsten drei Jahre werden in einer ersten Phase Entwicklungskonzepte erstellt. Es gilt, Hochwasser- und Naturschutz in Einklang zu bringen und das Projekt mit der Öffentlichkeit, Betroffenen und vielen Akteuren im Dialog zu beginnen.
Fragen und Diskussion
Nach den Vorträgen zu den Themen Hochwasserschutz, Deichrückverlegung und Auenentwicklung folgte eine Pause mit Beteiligungsangebot und Gesprächen. Zahlreiche Interessierte nahmen hier die Gelegenheit war, mit Vertreter/-innen des MWU, LHW sowie von NABU und BUND ins Gespräch zu kommen und Nachfragen zu stellen. Zudem wurden durch die Moderation an zwei Stellwänden Fragen für die anschließende Diskussion gesammelt.
Die Fragen wurden in der Diskussionsrunde durch Dr. Steffen Eichner (MWU), Dr. Ekkehard Wallbaum (MWU, Martin Etzold (LHW), Dr. Meike Kleinwächter (BUND) und Dr. Rocco Buchta (NABU) beantwortet.
Eröffnet wurde die Gesprächsrunde mit dem Wunsch mehrerer Gäste, künftige Informationsveranstaltungen besser bekannt zu machen. So hätten viele Anwesende erst spät oder zufällig von dem Termin erfahren. Auch sollte versucht werden, bspw. wirtschaftende Landwirte/ Flächeneigentümer direkt einzuladen. Auch über die Nutzung von Social-Media-Kanälen sollte nachgedacht werden, um mehr Personen in der Region und vor allem auch die Jüngeren zu erreichen. Zum Format, Veranstaltungsort und zur Uhrzeit der jetzigen Veranstaltung gab es positive Rückmeldungen.
Die Vertreter/-innen von MWU, LHW sowie der Verbände nahmen die Hinweise auf und sagten zu, sie bei kommenden Veranstaltungen noch mehr zu berücksichtigen.
Es folgt die Wiedergabe der Fragen und Positionen aus der anschließenden Gesprächsrunde:
Warum soll eine Deichrückverlegung anstelle der Errichtung eines Flutpolders erfolgen? Worin liegt der Mehrwert im Vergleich zu einem Polder?
Antwort: Der LHW errichtet im Rahmen einer landesweiten Strategie sowohl Polder als auch Deichrückverlegungen. Polder kommen dabei vor allem im Oberlauf von Elbe, Saale und Mulde zum Tragen. Sie haben die Aufgabe, bei extremen Hochwasserereignissen die „Welle zu kappen“, indem Einlassbauwerke geöffnet und die Polder geflutet werden. Es wird also dem Fluss Wasser entnommen und bis zum Absinken des Hochwassers zwischengespeichert. Damit ein Polder eine effektive Wirkung entfalten kann, braucht er eine sehr große Fläche. So hat der Flutpolder Tangermünde eine Fläche von 4.274 ha und kann bei seinem Einsatz den Wasserspiegel im Unterlauf (also flussabwärts) um bis zu 15 cm absenken. Der Untersuchungsbereich bei Wahrenberg umfasst eine Fläche von ca. 1.400 ha. Ein Polder würde hier vermutlich zu einer Absenkung von nur wenigen Zentimetern führen und weder die Ortslage Wahrenberg schützen, noch eine effektive Wirkung für die Ortslagen flussabwärts erzeugen. Von daher wird eine Deichrückverlegung bevorzugt. Sie dient der Öffnung heute vorhandener Engstellen bei Wahrenberg bis Werben, was der Elbe mehr Raum gibt und wodurch sich das Hochwasser ausbreiten kann. Dadurch wird die Stauwirkung der Engstelle Richtung Oberlauf (flussaufwärts) reduziert, was laut aktuellen Berechnungen abhängig von der Umsetzungsvariante den Wasserstand dort um schätzungsweise bis zu 100 cm absenken kann.
Die Maßnahme und ihre Funktionsweise sind sehr komplex. Ist es möglich, eine Visualisierung zu erstellen und zu zeigen, wie genau Deichrückverlegungen funktionieren und wie sich Wasserstände verhalten?
Antwort: Diese Anregung wird aufgenommen. In einer nächsten Veranstaltung soll gezeigt werden, wie genau Deichrückverlegungen und Polder funktionieren.
In den Veranstaltungen 2018 und 2020 sprach man bei einer Deichrückverlegung von 126 ha bzw. 465 ha. Heute von 1.400 ha. Warum wird das Gebiet immer größer?
Diese Zahlen beziehen sich auf verschiedene Umsetzungsvarianten. Die Variante mit 1.400 ha betrachtet die komplexeste Lösung und beinhaltet räumlich sowohl die Hochwasserschutzmaßnahmen als auch Flächen für den Wasserrückhalt und den Naturschutz. Die 1.400 ha beziehen sich auf einen Raum, für den nun Untersuchungen und Planungen begonnen werden sollen. Eine exakte Angabe über die Größe des Gebiets und wo welche Maßnahmen durchgeführt werden sollen, lässt sich zum gegenwärtigen Stand daher noch nicht sagen.
Welche Landwirtschaft wird im Bereich der Deichrückverlegung überhaupt noch möglich sein? Kann Ackerbau auch künftig betrieben werden?
Die Antworten auf die Fragen, wie genau die Flächen bewirtschaftet werden können und wie ein Nutzungsmuster (Sortierung unterschiedlicher Nutzungen im Sinne eines „Mosaiks“ in den Bereichen, die jeweils am besten geeignet sind) aussehen kann, sollen die nun anstehenden Untersuchungen, Planungen und Abstimmungsprozesse geben.
Heutige Nutzungen sind tendenziell historisch gewachsen und orientieren sich eher an Eigentumsverhältnissen als an Topographien und Wasserverhältnissen. Insofern ist es ein Ziel, die Nutzungen so neuzuordnen, dass Landwirtschaft und Umweltschutz profitieren können. Allerdings muss davon ausgegangen werden, dass die Ackerflächen im Verhältnis geringer ausfallen werden. Flächen, die künftig häufig überschwemmt werden können, eigenen sich nicht für konventionellem Ackerbau. Negative Auswirkungen auf die Wasserqualität sind zu minimieren.. Genauere Informationen werden sich in der Planungsphase ergeben.
Wie wird mit Flächen in Privateigentum umgegangen? Wie funktioniert der Flächentausch?
Zusammen mit dem für das Gebiet zuständigen ALFF (Ämter für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten) soll im Rahmen einer Flurneuordnung versucht werden, Tauschflächen innerhalb aber auch außerhalb des Gebietes zu finden. Dort, wo in Eigentum eingegriffen wird, soll zudem eine gerechte Entschädigung erzielt werden.
Der für das Gebiet zuständige Amtsleiter des ALFF ergänzt, dass ein Flächenpool hierfür bereits existiert, dessen Flächen jedoch begrenzt und nicht immer für eine landwirtschaftliche Nutzung geeignet sind. Es muss daher bereits jetzt durch das Land Sachsen-Anhalt eine weitere Flächenbevorratung erfolgen. Auf den Abschluss der Variantenbetrachtungen und das Ende der Vorplanungen dürfe nicht gewartet werden.
Dr. Wallbaum führt hierzu an, dass das Land Sachsen-Anhalt bereits vor 15 Jahren einen Pool von 5.000 ha erworben hat, der bei wasserwirtschaftlichen Maßnahmen für Flächentausch und Ausgleich zur Verfügung steht. Darüber hinaus verwaltet die landeseigene Landgesellschaft Sachsen-Anhalt mbH weitere 30.000 ha. Ein Handlungsspielraum ist damit also gegeben. Für dezidierte Aussagen und bilaterale Gespräche sind die weiteren Planungen abzuwarten.
Wird es zu Enteignungen kommen?
Die Planungen werden letztendlich in einem Planfeststellungsverfahren münden und danach beginnt die Bauphase. Im Rahmen von Planfeststellungsverfahren sind Enteignungen nach § 87 Baugesetzbuch (BauGB) prinzipiell möglich. Allerdings ist dies seitens des MWU nicht gewollt. Ziel sind einvernehmliche Lösungen.
Warum hat man schon mit den Planungen begonnen, ohne im Eigentum der Flächen zu sein?
Aktuell befindet sich das Projekt in einer frühen Konzeptphase. Wann man darüber informiert, ist immer ein „Spagat“: Einerseits gibt es natürlich auf beiden Seiten den Wunsch nach möglichst frühzeitiger Information und Beteiligung. Andererseits bedarf es aber auch eines gewissen Arbeitsstands mit Ideen und ersten Varianten, die man als Gesprächsgrundlage vorstellen und diskutieren kann.
Für den weiteren Prozess nehmen alle Akteure mit, kontinuierlich und frühzeitig zu informieren und Bevölkerung, Eigentümer/-innen, Bewirtschafter/-innen und weitere Betroffene sowie Partner in den Prozess einzubeziehen.
Werden auf den Ackerflächen auch weiterhin Dünger und Pflanzenschutzmittel ausgebracht werden dürfen?
In dem Gebiet gelten Regeln gemäß bestehender Schutzgebietsverordnungen (Natura 2000, NSG, Biosphärenreservat). Diese werden auch weiterhin gelten.
Für das Fluten der Tagebaurestlöcher in der Lausitz sowie den Erhalt des Spreewaldes werden große Wassermengen benötigt, die zum Teil auch der Elbe entnommen werden (sollen). Wird dies in den Modellberechnungen für Hochwasserereignisse berücksich
Das wird berücksichtigt, spielt im Hochwasserfall jedoch eine untergeordnete Rolle, da nur wenige Kubikmeter der Elbe entnommen werden. Bei Hochwasserereignissen der Elbe führt diese mehrere Tausend Kubikmeter pro Sekunde ab.
Werden in der Niederung vorhandene Altarme wieder mit der Elbe verbunden? Was ist der Mehrwert für Wasseraustausch und Natur?
Es besteht durchaus das Ziel, Altarme und Flutrinne zu reaktivieren. Auch soll künftig mehr Wasser in die Fläche gebracht werden. Für viele Tierarten ist dies durchaus relevant. Wie genau das aussehen kann, soll in den nächsten drei Jahren gemeinsam mit der Öffentlichkeit und Betroffenen entwickelt werden. Zunächst werden Untersuchungen erstellt, welche Maßnahmen machbar und zielführend sind. Die Frage der Machbarkeit wird dann letztlich auch davon abhängig sein, ob ein Einverständnis mit den Eigentümern/den Eigentümerinnen erzielt werden kann.
Wird es künftig möglich sein, Radwege auf der Deichkrone zu führen?
Grundsätzlich handelt es sich bei Deichbauwerken um technische Anlagen des Hochwasserschutzes, die nicht betreten / befahren werden dürfen. Dennoch versucht der LHW, die Nutzung der Deichkronen oder des Deichverteidigungsweges für Radfahrer/-innen zu erlauben, sofern dies technisch möglich ist. Wie die Deiche im Bereich Wahrenberg gestaltet werden, kann derzeitig noch nicht abgeschätzt werden. Eine Mitnutzung der Wege auf Deichen für Radfahrer wird im weiteren Planungsprozess aufgenommen.
Wird Angeln im Gebiet weiter erlaubt sein? Wird es weiter „Fahrberechtigungsscheine“ für Angler (Vereine) geben?
Angeln wird weiterhin unter den Bedingungen erlaubt sein, wie sie bereits heute mit den jeweiligen Verbänden vereinbart wurden. Fahrberechtigungsscheine werden seitens des jeweiligen Flussbereiches des LHW (im Raum Wahrenberg durch den Flussbereich Osterburg) beispielsweise für Angler, Jäger, Landwirte etc. ausgestellt. Sie dürfen die Deichverteidigungswege nutzen. Im Zuge der weiteren Planungen wird auch ein Wegekonzept erarbeitet werden. Darin wird geklärt, wo Wege langgeführt werden und wer für welche Zwecke welche Wege befahren darf.
Wenn künftig mehr Wasser in die Fläche gebracht werden soll: Kann das negative Auswirkun-gen auf die heutige Tierwelt haben? Werden bspw. Störche durch neue Arten vertrieben?
Viele Klein- und Kleinstgewässer im Gebiet leiden unter den zunehmenden Trockenperioden und Phasen der Wasserarmut. Die Zuführung von Wasser unterstützt die Pflanzen- und Tierwelt, die genau an diese Bedingungen angepasst ist. Dies bezieht sich unter anderem auf verschiedene Vogelarten, aber auch auf Lurche. Das Nahrungsangebot – auch für den Storch – würde wesentlich verbessert, so dass er stark profitieren würde.
Wenn durch die angestrebten Maßnahmen das Grundwasser ansteigt: Wird dann in Zukunft regelmäßig in der Ortslage Wahrenberg das Wasser in den Kellern stehen?
Das ist heute schon zum Teil so. Wie sich dies in Zukunft entwickeln wird, gilt es zu untersuchen und in den Planungen zu berücksichtigen. Das Verhalten des Grundwassers ist stets fester Bestandteil bei Berechnungen des LHW in Zusammenhang mit Planungs- und Baumaßnahmen.
Welche Belastungen werden während der Bauphase durch Baufahrzeuge etc. entstehen?
Genaue Aussagen können erst getätigt werden, wenn klar ist, welche Maßnahmen an welcher Stelle und in welchem Umfang realisiert werden sollen bzw. können. Jede Maßnahme wird jedoch mit einem Verkehrskonzept verbunden sein.
Wie geht es weiter
Nach einer kurzen Schlussrunde der Gesprächspartner/-innen und einem individuellen Ausblick auf weitere Schritte und das Versprechen, Öffentlichkeit und Betroffene kontinuierlich zu beteiligen, bedankt sich Dr. Steffen Eichner für das zahlreiche Erscheinen und die angenehme, offene Gesprächsatmosphäre.
Dabei betont er, wie wichtig das Aufnehmen von Erfahrungen und Meinungen und konstruktiver Austausch für komplizierte Planungsverfahren sind.
Er lädt in diesem Sinne ein, sich weiterhin aktiv in Veranstaltungen wie diese einzubringen.
Erstellt:
Für dieses Ergebnisprotokoll
Büro für urbane Projekte
27.05.2026; Abstimmung LHW 29.06.2026

