Fast 2.000 Kilometer Luftlinie trennen València in Spanien und die sachsen-anhaltische Landeshauptstadt Magdeburg voneinander. Beim Thema Hochwasserschutz lässt sich dennoch voneinander lernen. Das zeigte sich beim jüngsten Erfahrungsaustausch im Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt in Magdeburg.
Eine Delegation aus der Autonomen Region València (Comunitat Valenciana), die enge Verbindungen zum Land Sachsen-Anhalt pflegt, gastierte in der Elbestadt. Hintergrund war ein verheerendes Hochwasser-Ereignis im Oktober 2024 in der Region València. Ein Starkregen-Ereignis hatte riesige Wassermassen und Schlammlawinen in die teils dicht besiedelten Orte gebracht. 300.000 Menschen waren direkt von den Zerstörungen betroffen. Der Hochwasserschutz in der Region im Osten Spaniens soll nun verbessert werden. Von neuen Retentionsräumen, die den Hochwasserschutz der Stadt absichern, soll auch die Bevölkerung profitieren, die dort auch einen Ort zum Radfahren erhalten soll. So soll ein Umflutsystem, ähnlich dem Umflutkanal zwischen Magdeburg und Pretzien/Schönebeck, den Hochwasserschutz absichern. Die Gewässer sollen zudem gewässerökologisch entwickelt werden, Lebensraum soll neu entstehen.
„Die verheerenden Hochwasserereignisse der letzten Jahre zeigen uns, wie wichtig internationale Zusammenarbeit und der Austausch von Erfahrungen im Hochwasserschutz sind. Nur gemeinsam können wir innovative und nachhaltige Lösungen entwickeln, um unsere Regionen besser vor den Folgen des Klimawandels zu schützen und voneinander zu lernen“, erklärte Umweltstaatssekretär Dr. Steffen Eichner, der die Gäste im LHW Sachsen Anhalt gemeinsam mit LHW-Direktorin Martina Große-Sudhues begrüßte. Sie schloss sich ihrem Vorredner an: „Netzwerke knüpfen, Erfahrungen austauschen, voneinander lernen, die Perspektive wechseln, das ist der sprichwörtliche Blick über den Tellerrand, der den Horizont weitet, was letztlich dem Schutz der Menschen zugute kommt.“
Mit Interesse verfolgten die Experten des Hochwasserschutzes aus Sachsen-Anhalt den Vortrag ihrer spanischen Kollegen. Und sie berichteten darüber, wie Hochwasserschutz in Sachsen-Anhalt funktioniert. Sie stellten die Landesstrategie zum Hochwasserschutz in Sachsen-Anhalt vor, berichteten über die Hochwasservorhersagezentrale Sachsen-Anhalt und die Abläufe im Hochwasserfall, außerdem erläuterten sie die Arbeitsweise der Wasserwehren. Ein Vertreter der Landeshauptstadt Magdeburg stellte zudem Maßnahmen des kommunalen Hochwasserschutzes vor.
Für beide Seiten war es ein interessanter Austausch, der den Fokus auch auf das Pretziener Wehr mit dem Umflutsystem lenkte. Dieses soll auf die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO gebracht werden – die Anlage und Funktionsweise war den spanischen Gästen bereits bestens bekannt. Beeindruckt zeigten sie sich von der Organisationsstruktur der Hochwasservorhersage und den Apps „HochwassergefahrST“ und „Meine Pegel“, mit denen die Bevölkerung sich eigenständig über Pegelstände und Hochwassergefahren informieren kann.
Der Austausch soll auch in Zukunft fortgesetzt werden. Für die spanischen Kollegen standen nach dem Besuch in Magdeburg noch weitere Stationen in Deutschland auf dem Programm.

